2020 Besichtigung des Unternehmens VAUDE in Tettnang, Vortrag durch Antje von Dewitz

frauen-unternehmen e.V. zu Besuch beim Outdoor-Ausrüster VAUDE in Tettnang

„Nachhaltigkeit macht krisenstark“ –  ein Besuch bei VAUDE 

Sie hat die Ärmel hoch- und die Firma umgekrempelt. Der Besuch bei Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von VAUDE, hat die Frauen des Unternehmerinnennetzwerks frauen-unternehmen e.V. inspiriert und bewiesen, dass sich Nachhaltigkeit konsequent und erfolgreich in Unternehmen umsetzen lässt.

Selbstbewusst und sympathisch steht sie da, natürlich im sportlichen Outfit, wie es sich für eine der bekanntesten Unternehmerinnen der Outdoorsport-Branche gehört. Antje von Dewitz ist der Kopf und das Gesicht von VAUDE. Mit spürbarer Leidenschaft beschreibt sie ihre Vision von einem nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen, die sie seit 2009 mit großem Enthusiasmus umsetzt. Damals, als sie die von ihrem Vater 1974 gegründete Firma übernahm, hat man sie für ihre Ideen milde belächelt. Heute lacht niemand mehr, vielmehr orientieren sich andere am nachhaltigen Outdoor-Ausrüster. 2015 wurde VAUDE als „Deutschlands nachhaltigste Marke“ ausgezeichnet.* Mit über 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr ist VAUDE zudem äußerst erfolgreich, trotz oder gerade wegen der grünen Ideen der dynamischen Geschäftsführerin.

Von Anfang an war es Antje von Dewitz ein Dorn im Auge, dass die Textilindustrie an dritter Stelle der globalen CO2-Verursacher steht und damit einen traurigen Beitrag zum Klimawandel leistet. Und Sie hat eine Lösung für dieses und andere Umweltprobleme: Mensch, Umwelt und Wirtschaft müssten eine Einheit bilden, um hier eine Veränderung zum Positiven zu bewirken. Als Basis für ein gelungenes Zusammenspiel der drei Eckpfeiler sieht sie die ganzheitliche unternehmerische Verantwortung. Ressourcen zu schonen ist das erklärte Ziel. Ihre Strategie: Nachhaltiges Wirtschaften mit größtmöglicher Transparenz. Das zieht sich bei VAUDE durch alle Produktionsprozesse – von durchdacht designten, langlebigen Textilien aus umweltschonenden Materialien über umweltfreundliche Transportwege, wo möglich per Schiff. Partnerunternehmen werden hier ausdrücklich miteinbezogen.

Beeindruckend auch die Führungskultur beim nachhaltigen Outdoor-Ausrüster. Schlagworte wie Vertrauenskultur und Selbstwirksamkeit fallen. Konkret bedeutet das, dass sich Führungskräfte als  Rahmengeber für die internen Experten, Mentoren, Visionäre und Ökonomen verstehen. Sowohl Mitarbeiter*innen als auch die Führungsetage erwerben in Selbstwirksamkeitsseminaren kontinuierlich mehr Kommunikations- und Konfliktlösungskompetenzen. Das ist einer der Gründe, warum das Unternehmen laut Dewitz auch in der Coronakrise stabil auf Kurs gehalten werden konnte. „Da unsere Mitarbeiter*innen an Home-Office und eigenverantwortliches Arbeiten gewohnt waren, wuchsen sie in dieser Zeit über sich hinaus“, berichtet Dewitz, und sie betont: „Nachhaltigkeit macht krisenstark“. Als frühe Verfechterin der von Christian Felber initiierten „Gemeinwohlökonomie“ (GWÖ), erlebt sie tagtäglich wie Umwelt, Mensch und Ökonomie gleichermaßen profitieren, wenn alle Faktoren Hand in Hand arbeiten. Als größte Errungenschaften im Laufe ihrer Führungstätigkeit sieht sie, dass das Unternehmen zu 44 Prozent von weiblichen Führungskräften gelenkt wird. Mit Stolz erzählt sie auch von der Gründung eines Upcycling Shops in Kooperation mit ebay, Reparaturshops und -anleitungen zum Do it yourself, das Engagement für geflüchtete Menschen, die Förderung der E-Mobilität der Mitarbeiter*innen und vieles mehr. Das Leuchten in ihren Augen verrät, dass von Dewitz noch viele Ideen umsetzen möchte.

Die Essenz ihrer Erfahrungen gibt sie den Kirchheimer Unternehmerinnen noch mit auf den Weg: Erstens solle man sich davor hüten, den Führungsstil seines Vorgängers zu kopieren. Zweitens brauche es Energie und Durchhaltevermögen, um in einer solchen Umstellungsphase Hindernisse zu überwinden und an den eigenen Werten sowie an der eigenen Vision festzuhalten. Drittens sei ein loyaler Unterstützerkreis wie ein Führungsteam, das die gleichen Werte vertritt, unverzichtbar. Wichtig sei auch, dass Frauen ihrem „Bauchgefühl“ vertrauen und ihrer Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten und Konflikte anzusprechen. Als letzten Punkt riet sie, nicht auf das althergebrachte Wirtschaftssystem zu bauen, sondern auf neue eigene Ideen.

Nach so vielen inspirierenden Gedanken spürten die Frauen bei der anschließenden Betriebsbesichtigung den Spirit hautnah, über den Frau von Dewitz zuvor berichtet hatte. Im Lagerverkauf wechselte zum Ende hin noch das ein oder andere hochwertige Funktionskleidungsstück seine Besitzerin.

 

*Eine Auszeichnung der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V. in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung.